Von Angela Zimmermann
Wenn die Dame zur „frouwe“ wird und
die Männer mit Schwertern um Ruhm und Ehre kämpfen, dann
ist es wieder soweit: Das „Spectaculum“ öffnet seine
Pforten. Und so stand das Wäldchen an diesem Wochenende
ganz im Zeichen des Mittelalters. Wie bereits in den
Jahren zuvor pilgerten etliche Mittelalterfreunde zum
„Äschebuckel“, um in eine andere Welt einzutauchen.
Anlässlich des zehnten Jubiläums des „Spectaculums“
wurde den Besuchern noch mehr geboten als sonst. Neben
der Bühne speiste König Maximilian I. (Bernd Findt) mit
seinem Gefolge. Pünktlich zur Mittagszeit wurde ein
knuspriges Spanferkel herbeigetragen, dass sich die
höfische Gesellschaft munden ließ. Indes lieferten sich
kühne Recken vor der Bühne einen erbarmungslosen Kampf,
denn der König hatte zu einem Turnier aufgerufen. Bei
sengender Hitze kannten die tapferen Ritter keine Gnade.
Zuvor hatte Herold Uwe Hildenbeutel den Kämpfern die
Regeln eingebläut. Beim abschließenden „Circle of
honor“, dem Kreis der Ehre, kämpften die Ritter so lange
gegeneinander, bis nur noch ein Mann auf den Beinen
stand. Das kleine Schauspiel zum Jubiläum des
Spectaculums ist eine Adaption an das Wormser Hoffest im
Jahre 1495 im Anschluss an den Reichstag. Monatelang
hatten die „Freien Gewandeten“ als Organisatoren das
Fest vorbereitetSpeisen und Handwerkskünste
Doch
auch abseits des Hoffests gab es wie immer viel zu
erleben. Ausgefallene Speisen wie Falafel mit
Kichererbsentalern, selten gewordene Handwerkskünste
oder Mitmachaktionen: Das Spectaculum ist stets ein
großes Abenteuer für Jung und Alt. Bereits am
Freitagmittag trudelten die ersten Besucher ein,
bestaunten die feilgebotenen Waren und die vielfältigen
Gewandungen.
Männer wie Tom Silver sind selten
geworden. Um auf ihn aufmerksam zu werden, mussten die
Flanierenden genauer hinschauen. Er hatte es sich unter
einer Zeltplane bequem gemacht, vor ihm loderte die
Holzkohleglut vor sich hin. Silver ist einer der wenigen
Goldschmiedekünstler in Deutschland, der noch auf
historische Weise Schmuck herstellt. Die meisten
Goldschmiede verwendeten heutzutage „Halbzeuge“, also
vorbearbeitete Edelmetalle, erklärte er. Silver hingegen
arbeitet mit dem unbehandelten Rohstoff.
Die
Händler bieten fast alles, was das mittelalterliche Herz
begehrt. Ob Gewänder, mittelalterliche Musikinstrumente,
Geschmeide oder Trinkhörner, das Angebot ist schier
grenzenlos.
Für Angst und Schrecken sorgte ein
aussätziger Bettler mit Pestbeulen und offenen Wunden am
Beine, der sich von hinten an die Besucher heranschlich.
Die Kinder kamen besonders beim neu gestalteten
Karussell und bei der „Schifffahrt“ auf ihre Kosten.
Romantik im Wäldchen
Mit Beginn der Dämmerung
hielt auch die Romantik Einzug in das Wäldchen. Fackeln,
Kerzen und Feuerstellen zauberten eine einzigartige
Atmosphäre. Etliche Besucher hatten sich ein Fleckchen
auf dem Äschebuckel gesucht, um von oben das Treiben zu
bewundern. Andere wiederum ließen sich von der
mittelalterlichen Musik auf der Bühne mitreißen und
tanzten ausgelassen zu den historischen Klängen. Einen
abendlichen Höhepunkt bildete wie immer die Feuershow.
Wer danach noch nicht nach Hause gehen wollte, machte es
sich in der Taberne gemütlich, bis es auch dort um 24
Uhr hieß: „Feierabend“.







